Maßgeblich für die Gründung des Landesverbandes der Baden-Württembergischen Industrie (LVI) waren die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Ende der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts. Damals war Südwestdeutschland in drei Länder eingeteilt, die zwei verschiedenen Besatzungszonen angehörten. Währungsreform und Staatsgründung schufen dann die wesentlichen Voraussetzungen für den raschen Wiederaufbau der südwestdeutschen Wirtschaft. Bei der Entstehung der Länder Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern und (Süd-)Baden (1945 bis 1952) regte sich bei den entstandenen Fachverbänden schon bald der Wunsch nach einem überfachlichen Zusammenschluss. So wurde im Jahr 1949 als Vorläufer des LVI die Arbeitsgemeinschaft Industrieller Verbände von Württemberg-Baden unter dem Vorsitz von Dr. Wilhelm Haspel, dem Generaldirektor der Daimler-Benz AG, und der Geschäftsführung von Dipl.-Kfm. Johann Caspar Liebe-Harkort gegründet. Als wenig später, am 13.10.1949, der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) entstand, erhielt die Arbeitsgemeinschaft die Aufgabe, den BDI in Württemberg-Baden zu vertreten.

Am 18. Mai 1951 gründeten Repräsentanten verschiedener Landesfachverbände und Unternehmen in Stuttgart den Landesverband der Württemberg-Badischen Industrie. Die Gründungsversammlung wählte Dipl.-Ing. Emil Möhrlin zum ersten Vorsitzenden. Mit der Bildung des Landes Baden-Württemberg im Jahre 1952 erfolgte die Umbenennung zum Landesverband der Baden-Württembergischen Industrie. Von Beginn an nahmen Vorstand und Geschäftsführung mit Unterstützung des Beirates die Aufgabe wahr, den Rahmen für die Verbandsarbeit abzustecken. Diese Arbeit wurde durch verschiedene Arbeitskreise unterstützt, die sich im Laufe der Zeit zu Arbeitsausschüssen wandelten und auf wirtschaftspolitische Schwerpunkte ausgerichtet sind. Besonderer Wert wird dabei auf die zunehmende Vernetzung der Arbeit zwischen den verschiedenen Gremien des LVI gelegt, um so die wichtigste Funktion des Verbandes – die überfachlichen Interessen seiner Mitglieder – zu bündeln und gegenüber Politik, Behörden und anderen gesellschaftlichen Gruppen zur Geltung zu bringen. Durch diese Vernetzung gelingt es, den ständig komplexer werdenden Aufgabenstellungen, denen sich der LVI im Zuge der wirtschaftlichen und politischen Weiterentwicklung des Landes Baden-Württemberg stellen muss, Rechnung zu tragen.

Durch die ebenfalls zunehmende Mitwirkung in zahlreichen politischen Gremien, in Landesbehörden und in wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Einrichtungen gelingt es, nicht nur die spezifischen Interessen der baden-württembergischen Industrie zu vertreten, sondern auch maßgeblich an der Entwicklung des Landes Baden-Württemberg mitzuwirken, das sich sowohl im innerdeutschen als auch im weltweiten Vergleich bis heute als „Musterländle“ präsentieren kann.

Der LVI unterstützt den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in der länderübergreifenden Meinungs- und Konsensbildung. Gleichzeitig arbeitet er auch direkt in Berlin. Der LVI setzt sich bei den baden-württembergischen Bundestagsabgeordneten und allen Fraktionen für grundlegende strukturelle Reformen ein. Nur ein wettbewerbsfähiger Standort Deutschland kann dem Land Baden-Württemberg und seiner Industrie die Rahmenbedingungen für wirtschaftlichen Erfolg bieten. Der LVI trägt durch seine Mitwirkung im BDI-Präsidium, in den Geschäftsführerkonferenzen und in zahlreichen Arbeitskreisen aktiv zur Meinungsbildung im BDI bei. Er ergänzt die Positionen des BDI um eigene Akzente und trägt sie gezielt in das Land. Eigene landesspezifische Interessen seiner Mitglieder vertritt der LVI zudem direkt auf Bundesebene. Ergänzend zur Kooperation mit dem ständigen Ansprechpartner BDI nutzt der LVI die Infrastruktur der Vertretung des Landes beim Bund und führt kontinuierlich Gespräche mit Bundespolitikern aus Baden-Württemberg sowie mit Experten aus anderen Bundesländern.

Gesetzgebung und Richtlinien der EU beeinflussen fast alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft unseres Landes. Besonders bei den Sachthemen Umweltschutz, Energie und Verkehr sowie der Forschung und Technologie, aber auch in der Kartell- und Geldpolitik der EZB sind diese Veränderungen deutlich spürbar. Der LVI verfügt auf EU-Ebene über ein effektives Netzwerk mit dem BDI, der Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der EU sowie Mitgliedsverbänden und -unternehmen. Um die Interessen seiner Mitglieder in der EU zu vertreten, setzt der LVI über dieses Netzwerk und durch eigenständige Aktivitäten auf eine direkte, enge Zusammenarbeit mit den Institutionen der EU: Parlament, Kommission und Rat. Hier werden die Positionen aktiv an der richtigen Stelle eingebracht.

Um dem strukturellen Wandel der Wirtschaft weiterhin Rechnung zu tragen, hat sich der LVI bereits Anfang der 90er Jahre auch industrienahen Dienstleistungsunternehmen und -verbänden geöffnet. Ziel ist, die zunehmend gemeinsamen Interessen von Industrie und industrienahen Dienstleistungen zu vertreten. Formal hat dies dazu geführt, dass die satzungsgemäßen Aufgaben des LVI im Jahr 2000 ergänzt wurden um die Interessenvertretung der industrienahen Dienstleistungsunternehmen. Bereits 1994 wurde die LVI-Beratungs- und Service-GmbH gegründet, deren Aufgabe es ist, neben verschiedenen Geschäftsbesorgungen für die Gießereiindustrie, die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie sowie für Unternehmen aus dem Bereich der Metall- und Stahlverarbeitung den LVI-Mitgliedern verstärkt Informationsveranstaltungen und Seminare anzubieten.

1996 entschloss sich der LVI, gemeinsam mit einer Reihe von Mitgliedsverbänden und Partnerorganisationen die AKTION PRO MOBIL zu gründen. Aufgabe der AKTION PRO MOBIL ist es, durch gezielte Maßnahmen die Öffentlichkeit und die Politik auf die Situation der Infrastruktur in Baden-Württemberg aufmerksam zu machen und einen „Kurswechsel“ in der Verkehrspolitik zu erreichen. Seither ist es teilweise gelungen, Politik wie Gesellschaft für die Bedeutung der Verkehrsinfrastruktur zu sensibilisieren und Ansätze zu einer verlässlicheren Finanzierung zu platzieren. Dennoch erscheinen die Mittel für die Verkehrs- und insbesondere die Straßeninfrastruktur nach wie vor häufig als Verfügungsmasse, die nach Kassenlage gekürzt wird.

1997 hat der LVI die „Projektstelle Umwelt“ aufgebaut. Diese entwickelte sich in den vergangen Jahren zur Plattform Umwelttechnik e.V. (PU) weiter und vertritt ihre Mitglieder und die baden-württembergische Umwelt- und Energietechnik auf nationalen sowie internationalen Märkten. Daneben fördert die PU die Zusammenarbeit in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Produktion sowie Dienstleistungen. Die PU-Mitglieder verfügen über Kompetenzen in den Bereichen Luft, Wasser/Abwasser, Altlasten/Abfall und Energie.

Das Denken in Netzwerken, d.h. die Interdependenzen innerhalb der Wertschöpfungskette, hat der LVI seit Anfang der 90er Jahre vorangetrieben. Die enge Verzahnung von Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Produzenten, Dienstleistern, Zulieferbetrieben und Anwendern etablierte sich als ein wichtigstes Instrument die Wettbewerbsfähigkeit einer Region zu stärken. In den vergangenen Jahren hat sich die Cluster- und Netzwerkpolitik zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Innovations- und Wirtschaftspolitik in Baden-Württemberg entwickelt. Der LVI engagiert sich in verschiedenen Netzwerken und Clustern. Als starker Partner unterstützt er industrierelevante und technologiegetriebene Netzwerke und Cluster im Land und vertritt dort die Interessen seiner Mitglieder.

Die Allianz Faserbasierte Werkstoffe Baden-Württemberg e.V. (AFBW) stellt die Faser – als Treiber für Innovation – ins Zentrum Ihrer Aktivitäten und will sowohl Anwendern als auch Produzenten die Potenziale von faserbasierten Werkstoffen aufzeigen. Der LVI stieß im Jahr 2009 gemeinsam mit den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung, den Hohenstein Instituten für Textilinnovation und Südwesttextil die Gründung der AFBW an.

Die Luft- und Raumfahrt vereint zahlreiche Technologien und wird dadurch zum Technologieschrittmacher. Innovation durch Kooperation ist die Leitlinie für das Forum Luft- und Raumfahrt Baden-Württemberg (LRBW). Anfang des neuen Jahrtausends begann die Branche sich als Task Force gegenüber den Landesministerien zu positionieren. 2005 folgte die Gründung des Forum LR BW. Im Jahr 2009 beteiligte es sich gemeinsam mit einigen Partnern am regionalen Clusterwettbewerb des Landes und baut FAN Future Aerospace Network als Luft- und Raumfahrtcluster für die Europäische Metropolregion Stuttgart auf.

Von 1999 bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahr 2017 war Dr. Hans-Eberhard Koch Vorsitzender (seit 2007 Präsident) des LVI, seither wird der Verband von den beiden Vizepräsidenten Heinrich Baumann und Thorsten Klapproth geführt.

18.5.1951
Gründung des Landesverbandes der Württembergisch-Badischen Industrie.

1952
Umbenennung in Landesverband der Baden-Württembergischen Industrie.

In den Folgejahren wird der LVI organisatorisch verbreitert, bildet Sachverständigengremien und intensiviert seine Zusammenarbeit mit Landesregierung und Parlament.

1956
Die Landesgemeinschaft der Industrie in Südwürttemberg-Hohenzollern schließt ihre wirtschaftspolitische Abteilung, der LVI wird auch dort BDI Landesvertretung.

Regionale Struktur- und Energiefragen sowie Umweltschutz werden Arbeitsschwerpunkte; in mehreren Gesetzen wird die Mitarbeit des Verbandes in beratenden Gremien der Landesregierung verankert.

1963
Eintragung in das Vereinsregister.

1977
Änderung der BDI-Satzung, anschließend übernimmt der LVI die Landesvertretung des BDI auch für Südbaden.

Der Verband gewichtet seine Aufgaben neu, intensiviert die Öffentlichkeitsarbeit und verstärkt seine Tätigkeit im politischen Raum; er gründet zahlreiche Arbeitskreise und strafft die innerverbandliche Zusammenarbeit.

1980
Satzungsänderung: die Mitglieder werden stärker in die Arbeit der Beschluss fassenden Gremien einbezogen.

In den Folgejahren unterstreicht der LVI sein Engagement in weiteren Themenbereichen mit der Gründung der Arbeitsausschüsse Neue Medien, Verkehr und Energie.

Weitere formale Veränderungen beziehen sich in den 80er und 90er Jahren vornehmlich auf die Größe und Zusammensetzung des Vorstands, die Wahlperioden des Vorsitzenden und die Aufnahme des Geschäftsführers in den Vorstand.

1994
Gründung der LVI-Beratungs- und Service-GmbH:
Das Informations- und Dienstleistungsangebot für die Mitglieder des LVI wird ausgeweitet.

Parallel dazu verbreitert der LVI seine Mitgliederbasis sukzessive. Speziell bei den Anbietern industrienaher Dienstleistungen ist das Interesse an einer verbandlichen Vertretung groß.

2000
Die satzungsgemäßen Aufgaben des LVI werden um die Interessenvertretung von industrienahen Dienstleistern ergänzt.

In den Folgejahren vertieft der LVI sein Engagement bei der Bildung von Netzwerken und Clustern. Als starker Partner gründet und unterstützt er industrierelevante und technologiegetriebene Netzwerke und Cluster im Land und vertritt dort die Interessen seiner Mitglieder.

2009
Nach einer weiteren Satzungsänderung wird der LVI nunmehr von einem Präsidenten geführt. Entsprechend sind die stellvertretenden Vorsitzenden fortan Vizepräsidenten.

1951-1952

Emil Möhrlin, MdL
ersönlich haftender Gesellschafter, E. Möhrlin GmbH, Stuttgart

1952 - 1955

Dr. Fritz Haßlacher
Hutchinson Gummiwarenfabrik GmbH, Mannheim

1955-1956

Dr. Alfred Knoerzer
Vorsitzender der Geschäftsführung, Robert Bosch GmbH, Stuttgart

1956-1962

Helmut Eberspächer
Persönlich haftender Gesellschafter, Eberspächer, Esslingen

1962-1972

Dr. Werner F. Klingele
Persönlich haftender Gesellschafter, Klingele Papierwerke GmbH & Co., Remshalden

1972-1978

Prof. Kurt A. Dambach
Persönlich haftender Gesellschafter, Dambach-Werke GmbH, Gaggenau

1978-1983

Dr. Franz Josef Dazert
Vorstandsvorsitzender, Salamander AG, Kornwestheim

1983-1992

Hans Freiländer
Mitglied des Vorstandes, Brown Boverie & Cie. AG, Mannheim

1992-1995

Senator E.h. Richard Hirschmann
Gesellschafter, Hirschmann GmbH, Neckartenzlingen

1995-1996

Peter Schwend
Geschäftsführender Gesellschafter, Repro-Druck GmbH, Fellbach

1996-2001

Dr. Wolf Hartmut Prellwitz
Aufsichtsratsvorsitzender, IWKA AG, Karlsruhe

2001-2017

Dr. Hans-Eberhard Koch
Geschäftsführer/Gesellschafter, Witzenmann GmbH, Pforzheim

1951 – 1953
Johan Caspar Liebe-Harkort

1953 – 1959
Dr. Erich Fischer

1959 – 1977
Helmuth Ehrenberg

1977 – 1984
Dr. Werner Scharlowski

1984 – 1992
Dr. Rudolf Schotter
Senator E.h. Wolfgang Wolf

seit 1992
Senator E.h. Wolfgang Wolf
(Geschäftsführendes Vorstandsmitglied)